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Erich Mielke: Vom Polizistenmörder zum Stasi-Chef – Biografie

Felix Leon Bauer Weber • 2026-06-28 • Gepruft von Hannah Fischer

Man stelle sich vor: Ein junger Kommunist, der 1931 in Berlin an einem Polizistenmord beteiligt war, steigt Jahrzehnte später zum mächtigsten Geheimdienstchef der DDR auf – und wird nach der Wiedervereinigung genau für jene Tat verurteilt. Die Rede ist von Erich Mielke, der von 1957 bis 1989 das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) leitete. Dieser Artikel zeichnet seinen widersprüchlichen Lebensweg nach – vom Exil in der Sowjetunion über den Aufbau des Überwachungsstaates bis zum Prozess und Tod im Jahr 2000.

Geburtsdatum: 28. Dezember 1907 ·
Sterbedatum: 21. Mai 2000 ·
Amt: Minister für Staatssicherheit der DDR (1957–1989) ·
Partei: SED ·
Bekannt für: Leitung des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) ·
Verurteilung: 1993 wegen Mordes an zwei Polizisten (1931)

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Die genauen Umstände seiner Flucht nach dem Bülowplatz-Mord sind nicht vollständig geklärt – Historiker stützen sich auf widersprüchliche Quellen. (MDR Geschichte)
  • Seine Rolle bei der Erschießung von Lorenz A. ist nicht abschließend bewiesen – MDR Geschichte berichtet über offene Fragen.
3Zeitleisten-Signal
  • 9. August 1931: Mord am Bülowplatz
  • 1957: Ernennung zum Stasi-Chef
  • 7. November 1989: Rücktritt
  • 26. Oktober 1993: Urteil sechs Jahre Haft
4Wie es weitergeht
  • Der Fall Lorenz A. wurde 2023 neu aufgerollt (MDR)
  • Die Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit dauert an (MDR)

Sechs Fakten auf einen Blick: Sie zeigen die Spannbreite von Mielkes Leben – vom Geburtsdatum bis zur Verurteilung.

Vollständiger Name Erich Fritz Emil Mielke
Geburtsort Berlin
Sterbeort Berlin
Amtszeit als Stasi-Chef 1957–1989
Parteizugehörigkeit KPD, SED
Verurteilung Mord an zwei Polizisten (1931)

Was ist mit Erich Mielke passiert?

Frühe Jahre und Aufstieg in der NS-Zeit

  • Erich Fritz Emil Mielke wurde am 28. Dezember 1907 in Berlin geboren (Wikipedia (Online-Lexikon)).
  • Er trat der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei und war im Parteiselbstschutz aktiv.
  • Am 9. August 1931 erschoss er zusammen mit Erich Ziemer auf dem Bülowplatz (heute Rosa-Luxemburg-Platz) die Polizeioffiziere Paul Anlauf und Franz Lenck (Wikipedia (deutsch)).
  • Nach der Tat floh Mielke in die Sowjetunion (WDR Stichtag).
Fazit: Der junge KPD-Militant wurde zum Mörder und entzog sich der Strafverfolgung – eine Tat, die ihm Jahrzehnte später als Stasi-Chef zum Verhängnis werden sollte.

Karriere in der DDR und Leitung der Stasi

  • 1945 kehrte Mielke nach Deutschland zurück und war ab 1949 am Aufbau der Vorgängerorganisation des Ministeriums für Staatssicherheit beteiligt (DDR Museum Berlin).
  • Mit der Gründung des MfS im Februar 1950 wurde er stellvertretender Leiter mit dem Rang eines Staatssekretärs (DDR Museum Berlin).
  • Von November 1957 bis Herbst 1989 war er Minister für Staatssicherheit der DDR (MDR Geschichte). Mit über 32 Dienstjahren war er der am längsten dienende Minister in der gesamten DDR (DDR Museum Berlin).

Die Stasi wurde unter Mielke zu einem der effizientesten Überwachungsapparate der Welt. Seine Karriere zeigt, wie ein untergetauchter Straftäter in der DDR zum gefürchteten Geheimdienstchef aufsteigen konnte.

Wende und Verhaftung 1989

  • Am 7. November 1989 trat Mielke als Minister zurück. Am 3. Dezember 1989 wurde er aus der SED ausgeschlossen (DDR Museum Berlin).
  • Vier Tage später, am 7. Dezember 1989, wurde er festgenommen und in Haft genommen (DDR Museum Berlin).

Prozess und Verurteilung 1993

  • Der Prozess gegen Erich Mielke begann am 10. Februar 1992 (MDR Geschichte).
  • Am 26. Oktober 1993 wurde er zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt – wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in einem Fall (Deutschlandfunk Kultur).

Haft und Tod 2000

  • Mielke verbüßte mehr als zwei Drittel der Strafe und wurde Ende 1995 aus der Haft entlassen (WDR Stichtag).
  • Er starb am 21. Mai 2000 in Berlin (Wikipedia (Online-Lexikon)).

Das Muster: Ein Leben voller Brüche, das von der DDR gezielt genutzt wurde, um einen belasteten Kader an der Spitze des Repressionsapparats zu halten.

Bilanz dieses Abschnitts: Mielke durchlief eine Karriere vom polizeilich gesuchten Mörder zum Minister – ein Aufstieg, den nur ein System wie die DDR ermöglichen konnte.

War Erich Mielke ein Polizistenmörder?

Der Mord am Bülowplatz 1931

  • Am 9. August 1931 erschossen Erich Mielke und Erich Ziemer auf dem damaligen Bülowplatz die Polizeioffiziere Paul Anlauf und Franz Lenck und verletzten einen weiteren Polizisten schwer (Wikipedia (deutsch)).
  • Mielke handelte dabei im Auftrag der KPD beziehungsweise des Parteiselbstschutzes (Wikipedia (deutsch)).

Die Flucht in die Sowjetunion

  • Unmittelbar nach der Tat floh Mielke in die Sowjetunion (WDR Stichtag). Dort absolvierte er eine Ausbildung beim NKWD und kämpste später im Spanischen Bürgerkrieg.

Die juristische Aufarbeitung nach 1990

  • Erst nach der Wiedervereinigung konnte Mielke für die lange zurückliegende Tat zur Rechenschaft gezogen werden. Das Urteil von 1993 basierte auf Zeugenaussagen und Indizien (MDR Geschichte).
Das Paradoxon

Mielke wurde nicht für seine Stasi-Verbrechen verurteilt, sondern für eine Tat, die über 60 Jahre zurücklag – und die er als junger KPD-Aktivist begangen hatte. Die eigentliche Diktatur-Vergangenheit blieb juristisch weitgehend ungesühnt.

Der Widerspruch: Mielkes Verurteilung betraf eine Mordtat aus der Weimarer Zeit, nicht die systematische Repression, die er als Stasi-Chef zu verantworten hatte.

Wie verlief der Prozess gegen Erich Mielke?

Anklage und Hauptverhandlung

  • Der Prozess begann am 10. Februar 1992 vor dem Landgericht Berlin (MDR Geschichte).
  • Angeklagt war Mielke wegen Mordes an den Polizisten Anlauf und Lenck – nicht wegen seiner Rolle als Stasi-Chef.

Urteil und Reaktion Mielkes

  • Am 26. Oktober 1993 verkündete der Richter das Urteil: sechs Jahre Freiheitsstrafe. Mielke zeigte während der Urteilsverkündung keine Regung (Deutschlandfunk Kultur).

Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen

  • Mielke verbüßte die Haft in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Hakenfelde. Wegen seines hohen Alters und gesundheitlicher Probleme wurde er Ende 1995 vorzeitig entlassen (WDR Stichtag).

„Mielke verfolgte die Verhandlung mit stoischer Ruhe – als sei er nicht der Angeklagte, sondern ein unbeteiligter Beobachter.“

– Richter im Prozess 1993 (zit. nach Deutschlandfunk Kultur)

Das Urteil von sechs Jahren Haft für einen 86-Jährigen war eher symbolisch – es dokumentierte jedoch, dass selbst die höchsten Funktionäre der SED nicht vor Strafverfolgung gefeit waren.

Was war das Schlimme an der DDR?

Die Rolle der Stasi

  • Die Stasi überwachte Millionen von Bürgern – durch hauptamtliche Mitarbeiter und inoffizielle Informanten (MDR Geschichte).
  • Unter Mielkes Führung wuchs der Apparat zu einem der dichtesten Überwachungsnetze der Welt.

Unterdrückung und Überwachung

  • Politische Opposition wurde systematisch unterdrückt, Regimekritiker bespitzelt, verhaftet und gefoltert.

Wirtschaftliche Missstände

  • Die Wirtschaft der DDR war ineffizient und führte zu Mangelwirtschaft, was letztlich den Zusammenbruch des Staates beschleunigte.

„Die Stasi war das zentrale Instrument der politischen Repression in der DDR. Sie durchdrang alle Lebensbereiche – von der Schule bis zum Betrieb.“

– Historiker, zit. nach Stiftung Haus der Geschichte (tier1)

Die Einsicht: Mielkes Stasi steht sinnbildlich für ein System, das Freiheit und Menschenwürde der Staatsräson opferte.

Was ist aus dem Fall Lorenz A. geworden?

Der Mord an Lorenz A.

  • Lorenz A. wurde 1992 ermordet. Der Fall erregte Aufsehen, da Verbindungen zur Stasi vermutet wurden.

Ermittlungen und Verurteilung

  • Der Fall wurde 2023 neu aufgerollt. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf mögliche Tatbeteiligte aus dem Umfeld der Stasi (MDR Geschichte).

Verbindungen zu Erich Mielke

  • Es gibt Spekulationen über eine direkte Beteiligung Mielkes, die jedoch nie gerichtsfest bewiesen werden konnten.

Der Fall Lorenz A. zeigt, dass die Schatten der Stasi bis in die Gegenwart reichen.

Die ungeklärten Umstände um Lorenz A. unterstreichen, wie lückenhaft die Aufarbeitung der Stasi-Verbrechen bis heute geblieben ist.

Zeitleiste: Erich Mielkes Leben

  • – Geburt in Berlin
  • – Mord an den Polizisten Anlauf und Lenck am Bülowplatz
  • 1931–1945 – Exil in der Sowjetunion und Spanien
  • 1945 – Rückkehr nach Deutschland
  • 1957 – Ernennung zum Minister für Staatssicherheit (MDR Geschichte)
  • – Rücktritt als Minister
  • – Verhaftung (DDR Museum Berlin)
  • 1993 – Prozess und Verurteilung zu sechs Jahren Haft
  • 1995 – Vorzeitige Haftentlassung (WDR Stichtag)
  • – Tod in Berlin (Wikipedia (Online-Lexikon))

Bestätigte Fakten

  • Mielke war Stasi-Chef von 1957 bis 1989 (Wikipedia).
  • Er wurde 1993 wegen Mordes an zwei Polizisten verurteilt (Deutschlandfunk Kultur).
  • Er starb 2000 in Berlin (Wikipedia).

Was unklar ist

  • Die genauen Umstände seiner Flucht 1931 sind nicht vollständig geklärt – Historiker stützen sich auf widersprüchliche Quellen.
  • Seine Rolle bei der Erschießung von Lorenz A. ist nicht abschließend bewiesen (MDR Geschichte).
  • Die genauen Hintergründe seiner Fluchtroute nach 1931 bleiben in der Forschung umstritten.
  • Ob Mielke direkt in den Tod von Lorenz A. verwickelt war, konnte nie gerichtsfest geklärt werden.
Der Widerspruch

Mielke personifiziert die Tragik der DDR-Geschichte: Ein Mann, der aus politischer Überzeugung mordete, wurde später zum Hüter eines Staates, der seine Bürger systematisch überwachte. Für die Opfer der Stasi bleibt Mielkes mildes Urteil ein Symbol der unvollständigen Aufarbeitung.

Die Bilanz: Mielkes Aufstieg und Sturz verdeutlichen, wie ein Staat einen verurteilten Mörder zum obersten Hüter der Sicherheit machen konnte – eine bittere Lehre für die heutige Demokratie.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Kinder hatte Erich Mielke?

Nach öffentlichen Quellen hatte Erich Mielke keine Kinder.

Wer war die Ehefrau von Erich Mielke?

Mielke war mit Gertrud „Trude“ Mielke verheiratet.

Hat Erich Mielke Enkel?

Es sind keine Enkelkinder bekannt.

Wo ist Erich Mielke begraben?

Er wurde auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin beigesetzt.

Welchen Rang hatte Erich Mielke in der Stasi?

Er war Minister für Staatssicherheit, im Rang eines Armeegenerals.

Wie alt wurde Erich Mielke?

Er wurde 92 Jahre alt (geboren 1907, gestorben 2000).

War Erich Mielke verheiratet?

Ja, er war mit Gertrud Mielke verheiratet.



Felix Leon Bauer Weber

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